Oh, wie schön ist Peru!

Mit unserem nächsten Grenzübergang verlassen wir Mittelamerika und wir fliegen nach Peru. Die Anreise verläuft bis auf ein paar Flugzeugturbulenzen problemlos und wir grinsen von einem Ohr bis zum anderen, als die Dame am Einreiseschalter sagt: „Welcome to Peru!“ Als wir mit unserem Taxi zum Hostel fahren, erleben wir einen der größten Kulturschocks: 8-spurige Kreisel besetzt von 10 Autos, ein permanentes Hupkonzert und zwischendrin noch Menschen, die uns Popcorn, Zeug, das zwischen den Zähnen klebt oder „Agua“ (Wasser) aufschwatzen wollen. Randnotiz: 90% der Autos würden in Deutschland keinen TÜV bekommen – Frontscheiben werden aber auch überbewertet. Nach drei Wochen Dschungel, Strand und Meer überfordert uns das laute, chaotische Lima. Da hilft nur eins. Den Schock verdauen wir mit unserem ersten Pisco, dem hochprozentigen peruanischen Nationalgetränk. Dann schnell weg hier und auf an die Küste nach Paracas. Dorthin reisen wir mit dem luxuriösten Bus, denn wir jemals gesehen haben. Unendliche Beinfreiheit, Fernseher, wie im Flieger und ein Vorhang zwischen uns, falls wir das Gesicht des anderen doch mal nicht mehr sehen können.

Wenn man Peru hört, ist der erste Gedanke „Hochland, Machu Picchu, Berglandschaft und Alpakas“. Wir starten mit einer anderen Facette von Peru. Paracas ist ein kleines Fischerdörfchen an der Westküste mitten in der Wüste. Hier gefällt es uns deutlich besser, denn die Uhren ticken wieder langsamer. Es gibt zwei Hauptattraktionen rund um das kleine Örtchen: Die Islas Ballestas und der Paracas Nationalpark. Am ersten Tag unseres Aufenthalts machen wir einen Bootsausflug zu den Islas Ballestas, die auch „Das Galapagos für Arme“ genannt werden. Mit dem Motorboot düsen wir vom Hafen über das offene Meer und schon nach ein paar Minuten erreichen wir braun-gelbe Klippen, die Teil des Paracas Nationalparks sind. Ein besonderes Phänomen ist der „El Candelabro“. Bis heute weiß niemand, wann, wie und warum die Geoglyphe in den Sandboden gegraben wurde. Man ist sich nicht mal sicher, ob es einen Kerzenhalter oder einen Kaktus darstellen soll. Mysteriös diese Inkas! Weiter geht’s zu den Inseln. Hier riecht man schon von Weitem die Bewohner. Unzählige Seevögel wie Kormorane, Pelikane und Guano-Tölpel (ja, wir habens nochmal gegoogelt) tummeln sich dicht an dicht auf den Felsen. Auf einer der nächsten Inseln watschelt eine Gruppe Humboldt-Pinguine und am Strand sonnen sich die Seelöwen. Unter uns im Wasser wuseln riesige Quallen. Gut, dass wir auf einem offenen Boot sitzen, denn wir wollen weder den Gestank der Vögel, Pinguine und Seelöwen in unseren Klamotten hängen haben noch die Tentakeln der Quallen berühren. Nach ca. zwei Stunden heizen wir mit Höchstgeschwindigkeit wieder zurück Richtung Festland – wie manche Passagiere hier ein Nickerchen machen können, beschert uns das zweite Rätsel des Tages.

Unser zweiter Ausflug führt uns mit dem Fahrrad in den Paracas Nationalpark. Hier gibt es außer ein paar Geiern keine Tiere, sondern nur Sand, Sand und nochmal Sand. Wir strampeln also was das Zeug hält durch die Dünen und kommen bei dem Ausblick auf die Felsen und den Pazifik gar nicht mehr aus dem Staunen raus. Ein ungewöhnlicher, einzigartiger Anblick, wenn das Meer auf die Wüste trifft. Gegensätzlicher kann es eigentlich gar nicht sein. Und schöner auch nicht, wenn da nicht der Gegenwind wäre. Mit Müh und Not bewegen wir uns Zentimeter für Zentimeter nach vorne und müssen sogar bergab in die Pedale treten. Besonders ärgerlich ist das Ganze, wenn man die Ausfahrt verpasst und sich folgendes Szenario ereignet: Wir schieben eine Düne schweratmend bei stärkstem Gegenwind nach oben, fahren sie auf der anderen Seite mit lautem Gejubel wieder nach unten und stellen dann fest, dass wir in einer Sackgasse stehen. Für einen kurzen Moment sind wir sprachlos und fühlen uns wie im falschen Film. Hilft nichts, wenn wir nicht in der Wüste verdursten wollen, müssen wir den ganzen Weg wieder zurück. Mit hochrotem Kopf schieben wir die Düne also ein zweites Mal nach oben. Props an den Rollerfahrer auf der anderen Seite, der uns anerkennend und etwas ehrfürchtig zunickt. Made our day and our way back. Nach diesem erlebnisreichen und auch etwas anstrengenden Tag haben wir uns eine frische Mango, eine Cerveza del Peru und einen Sonnenuntergang mehr als verdient.

Besos a todos, vor allem an den Rollerfahrer
Claudi und Anna

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